



16.10.26 –
Calw. Das Kommando Spezialkräfte – kurz KSK – ist seit 1996 in Calw stationiert und war lange ein schwieriges Thema in der Stadt. Der Grüne Kreisvorstand hat sich die Einheit nun aus nächster Nähe angeschaut – und ist mit einem differenzierten, aber insgesamt positiven Eindruck nach Hause gefahren.
Wandel, der ernst genommen wird
Das KSK hatte in der Vergangenheit ernsthafte Probleme mit Rechtsextremismus in den eigenen Reihen – das ist bekannt und wurde damals auch in Calw intensiv diskutiert. Was den Kreisvorstand beim Besuch beeindruckte, war die Ernsthaftigkeit, mit der der Verband diesen Weg der Aufarbeitung gegangen ist. Neue Instrumente bei der Personalauswahl, verpflichtende politische Bildung für Vorgesetzte, kontinuierliche Sensibilisierungslehrgänge – und vor allem eine Erinnerungskultur, die die Vergangenheit nicht wegdiskutiert, sondern sichtbar macht.
Das KSK hat einen langen und schmerzhaften Weg der Aufarbeitung hinter sich. Die Führung betonte beim Besuch, dass man diesen Weg bewusst und ohne Beschönigung gegangen ist. Im Besucherzentrum – dem einzigen seiner Art in der gesamten Bundeswehr – wird die schwierige Geschichte nicht versteckt, sondern explizit thematisiert. Bis zu 1.000 Besucherinnen und Besucher kommen monatlich. Ziel ist Transparenz, nicht Hochglanz: Berührungsängste abbauen, mit Mythen aufräumen, den Menschen in Calw und der Region zeigen, wer ihre Nachbarn in Uniform wirklich sind.
Kreissprecherin Lena Abdi betonte die Bedeutung dieser Erinnerungskultur und zeigte Respekt für die Fähigkeit des Verbands, mit Gewissenskonflikten professionell umzugehen. Kommunalpolitischer Sprecher Joe Schwarz lobte den offenen Umgang mit schwierigen Einsatzerfahrungen und das umfassende Netz aus Seelsorge und psychologischer Betreuung.
Ein Wandel, der uns nicht fremd ist
Dieser Wandel erinnert uns auch an unsere eigene Geschichte als Partei. Die Grünen entstanden aus der Friedensbewegung – und haben sich seither stark verändert. Als Joschka Fischer als Außenminister die deutsche Beteiligung am Kosovo-Einsatz verteidigte, warfen ihm eigene Anhänger buchstäblich Farbbeutel. Heute stehen die Grünen klar und ohne Wenn und Aber zur Bundeswehr und zur Ukraine-Unterstützung. Weil wir gelernt haben: Wer Schwächere schützen will, die angegriffen werden, darf sich militärischer Verantwortung nicht verweigern. Der Wandel des KSK und der Wandel der Grünen haben in dieser Hinsicht mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Was das KSK macht – und wie
Gegründet 1996, feierte das KSK vergangenes Jahr seinen 30. Jahrestag. Die Einheit ist das strategische Werkzeug der Politik für besondere Einsätze: Geiselrettungen im Ausland, Aufklärung, Landes- und Bündnisverteidigung. Rund 1.700 Dienstposten, davon ein bedeutender Anteil Zivilangestellte – das KSK ist auch ein großer Arbeitgeber in der Region mit enger Verbundenheit zur Stadtgesellschaft.
15 Prozent der Soldatinnen und Soldaten sind Frauen – in Führungspositionen, in der Aufklärung. Ein Modell, das von anderen Ländern abgeschaut wird.
Der Mensch steht im Mittelpunkt. Der offene Umgang mit Trauma-Erlebnissen, ein umfassendes Netzwerk aus Seelsorge und psychologischer Betreuung, Resilienztraining – die Führung machte deutlich: Vorbereitung auf das Undenkbare beginnt nicht im Ernstfall, sondern jahrelang davor. „Jungs, ihr dürft mal kurz weinen" – dieser Satz eines Vorgesetzten fasste es vielleicht am treffendsten zusammen.
Auch das Thema Erweiterung des Standorts Althengstett kam zur Sprache. Philipp Jourdan, Gemeinderat aus Althengstett, signalisierte Unterstützung für einen transparenten Prozess und betonte, dass der Kreisverband das Verfahren rund um die Flächennutzung eng begleiten wird.
Herzlicher Dank
Wir danken dem KSK herzlich für den offenen, vertrauensvollen Empfang und die Zeit, die sich die Führung für uns genommen hat. Solche Gespräche – ehrlich, auf Augenhöhe, ohne Schönfärberei – sind genau das, was Demokratie und Zivilgesellschaft brauchen.
Die Bundesregierung will ihre Sozialreformen vom Sommer voranbringen. Doch der Widerstand wächst – bei Familien, in der Gesellschaft und auch [...]
Deutschlandweit wird am 26. September demonstriert. Egal ob Du selbst betroffen bist, als Beschäftigte*r, Unternehmer*in eines [...]
Die Mieten bei Neuvermietungen steigen gerade in Ballungszentren trotz der existierenden Mietpreisbremse immer stärker an. Hohe Mieten werden [...]