

15.05.26 –
Nagold. Welche Software eine Partei, ein Verein oder eine Behörde nutzt, ist keine technische Nebensache – es geht um Kosteneffizienz, Datenschutz und digitale Unabhängigkeit von US-Konzernen. Beim Grünen Kreisverband Calw ist das längst kein Zukunftsthema mehr: Bei seiner Mitgliederversammlung im Restaurant Adler in Nagold berichtete der Verband, wie er seinen eigenen Betrieb bereits auf europäische Open-Source-Programme umgestellt hat – und zeigte, welche Möglichkeiten es gibt. Die rund 30 Anwesenden diskutierten, was das für sich und die Kommunen bedeuten könnte.
Europäische Alternativen: Digitale Souveränität und Datenschutz stehen im Vordergrund
Das Interesse war groß. Bereits im März hatten die Mitglieder einen intensiven Austausch über den geplanten Einsatz der Analyse-Software Palantir. Nun stellte der Kreisverband eine Reihe europäischer Alternativen zu gängigen US-Produkten vor: von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation bis hin zu Videokonferenz und Cloud-Speicher. Der Kreisverband Calw nutzt viele dieser Programme bereits im eigenen Betrieb.
Ein besonderer Gast war auch dabei. Als Gastredner schilderte Albrecht Ortmann aus dem Nachbarkreis Freudenstadt seine Erfahrungen damit, Verwaltungen und Organisationen für den Wechsel zu Open-Source-Software zu gewinnen. Die Argumente sind handfest: Lizenzkosten entfallen, und mit ihnen ein Datenschutzrisiko, das viele unterschätzen. Wer auf Produkte amerikanischer Anbieter setzt, muss damit rechnen, dass US-Behörden rechtlich Zugriff auf diese Daten erhalten können. Als funktionierende Vorbilder nannte Ortmann das Land Schleswig-Holstein sowie die Stadt Schwäbisch-Hall – in Größe und Struktur mit dem Landkreis Calw vergleichbar – die seit rund zwei Jahrzehnten erfolgreich auf Open-Source-Lösungen setzen.
Ob dieser Weg auch für Kommunen im Landkreis Calw gangbar wäre, blieb bewusst als offene Frage im Raum. Der Kreisverband will damit keine Blaupause verordnen, sondern eine Debatte anstoßen.
Demokratie stärken: Es ist fünf vor zwölf
Mindestens ebenso viel Raum nahm das zweite große Thema des Abends ein: Wie bleibt Demokratie auch im ländlichen Raum lebendig? Die Mitglieder waren sich einig – es braucht mehr Präsenz, mehr Gespräche und mehr Veranstaltungen gerade in kleineren Gemeinden des Landkreises. Demokratie werde nicht nur in Parlamenten gemacht, sondern lebe vom Engagement der Menschen vor Ort. Der Kreisverband kündigte konkret an, künftig gezielt auch abseits der Kreisstädte aktiv zu sein.
Ein erster sichtbarer Schritt: Der Kreisverband hat den Autor Jakob Springfeld aus Zwickau für eine Lesung im Sommer in Calw gewonnen. Springfeld engagiert sich seit Jahren gegen rechtsextreme Entwicklungen in Ostdeutschland und macht in seinen Büchern deutlich, was es bedeutet, in einer Region zu leben, in der demokratische Strukturen unter Druck geraten. Die Veranstaltung soll bewusst kein Parteiabend werden, sondern ein offenes Angebot an alle Interessierten im Landkreis.
Kreissprecherin Lena Abdi brachte den Anspruch des Abends auf den Punkt: „Wir Grüne machen keine abgehobene Politik. Wir nehmen die Sorgen der Menschen ernst und werden mit ihnen ins Gespräch gehen."
Koalitionsvertrag: Aufbruchsstimmung
Den Abschluss bildete eine kurze Einschätzung zum neuen Koalitionsvertrag. Kreissprecherin Anke Much sah darin das veränderte Kräfteverhältnis im Landtag deutlich ablesbar. Der Klimaschutz bleibe jedoch eine der zentralen Aufgaben und werde von der neuen Landesregierung entschlossen vorangetrieben. Ausdrücklich gewürdigt wurden die scheidenden Regierungsmitglieder Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landtagspräsidentin Muhterem Aras.
Der Grüne Kreisverband Calw ist der lokale Gebietsverband von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Calw. Er vertritt die Partei auf kommunalpolitischer Ebene und organisiert regelmäßig Veranstaltungen zu lokalen und überregionalen Themen.
Pressekontakt:
Anke Much
Sprecherin
Grüner Kreisverband Calw
anke.much@gruene-kreis-calw.de
Kategorie
Demokratie | Kreisverband | Landes- und Bundespolitik | Pressemitteilung
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