Bündnis 90/ Die Grünen Kreis Calw

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Atommüll bleibt – Verantwortung auch: Infoabend mit Harald Ebner zur Endlagersuche

13.02.26 –

Rund um das hochkomplexe Thema Atommüll-Endlagerung drehte sich ein gut besuchter Themenabend des Grünen Ortsverbands Alb-Enz. Frank Kampfrath begrüßte die Gäste, Fynn Rubehn, unser grüner Landtagskandidat im Kreis Calw, führte mit einer kurzen Ansprache in den Abend ein, bevor Harald Ebner MdB das Wort übernahm.

Ebner ist Berichterstatter für Atompolitik der grünen Bundestagsfraktion, und ehemaliger Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und damit tief drin in der Materie zur Endlagersuche in Deutschland. Gleich zu Beginn machte er deutlich:
„Es ist mutig, während des Landtagswahlkampfes zu diesem Thema eine Veranstaltung anzubieten.“ Denn das Thema ist unbequem und genau deshalb so notwendig.

Ein riesiges Erbe aus nur 60 Jahren Atomkraft

Aktuell lagern rund 1.900 Castoren meist oberirdisch in Zwischenlagern in der ganzen Bundesrepublik, auch in Baden-Württemberg. Der hochradioaktive Abfall muss jedoch für 500.000 bis idealerweise eine Million Jahre sicher eingeschlossen werden: Ein Zeitraum, der für uns Menschen kaum vorstellbar ist.

Ebner brachte das Dilemma mit einem eindrücklichen Bild auf den Punkt:
„Wir sind als Gesellschaft mit dieser Technologie wie mit einem Flugzeug gestartet, merken, dass uns jetzt der Sprit ausgeht – und haben aber keine Landebahn.“

Der enorme Entsorgungsaufwand steht in keinem Verhältnis zu gerade einmal rund 60 Jahren Nutzung der Atomenergie. Für Bündnis 90/Die Grünen ist deshalb klar: Atomkraft war ein Irrweg. Doch ebenso klar ist: Der Atommüll ist da und wir tragen alle die Verantwortung für den Umgang damit.

Lehren aus Gorleben – ein neues Verfahren

Ein Rückblick zeigte, warum Vertrauen heute so entscheidend ist. Das erste vorgeschlagene Endlager Gorleben war eine politische, keine geologische Standortentscheidung. Mangelnde Transparenz und fehlende Bürgerbeteiligung haben damals tiefe Wunden hinterlassen.

Nach Jahrzehnten Anti-AKW-Bewegung, Tschernobyl (1986), Fukushima (2011) und einem politischen Zickzackkurs – vom rot-grünen Atomausstieg 2001 über den „Ausstieg aus dem Ausstieg“ 2010 bis zum überparteilichen Beschluss 2011 – wurden die letzten AKW schließlich am 15. April 2023 abgeschaltet.

„Wir sind aber nicht alle Sorgen los. Der Atommüll ist ja noch da“, so Ebner.

Als Konsequenz daraus wurde 2017 das Standortauswahlgesetz beschlossen und die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE gegründet). Ziel ist ein wissenschaftsbasiertes, transparentes Verfahren mit breiter Bürgerbeteiligung und eine Standortentscheidung bis 2031.

Was bedeutet das für den Nordschwarzwald?

Aktuell befindet sich das Verfahren im Übergang von Phase 1 zu Phase 2, in der die besten Standorte ermittelt werden. Regionen werden in A, B, C und D eingeteilt. Der Nordschwarzwald wurde bislang nicht als ungeeignet (C oder D) eingestuft und bleibt damit im Verfahren bis klar ist, ob es sich um eine B-Region (aussortiert) oder A-Region (sehr gut geeignet) handelt. Rechtlich verbindlich wird allerdings erst ein späterer Bundestagsbeschluss.

Untersucht werden drei mögliche Wirtsgesteine: Steinsalz, Ton und kristallines Gestein (Granit). Entscheidend bleibt: Transparenz, Beteiligung und Sachlichkeit sollen Vertrauen schaffen und verhindern, dass sich Menschen übergangen fühlen.

Atomkraft ist keine Zukunftstechnologie

Ebner ordnete das Thema auch global ein: Laut World Nuclear Industry Status Report stagniert Atomkraft weltweit. Neubauten wie in Frankreich explodieren finanziell und kämpfen mit massiven technischen Problemen. Gleichzeitig laufen Uranimporte aus Russland trotz Ukrainekrieg weiter.

Demgegenüber stehen die Erneuerbaren: 2024 entfielen 92 Prozent der neu installierten Stromkapazitäten auf erneuerbare Energien. Für Ebner ist klar: Sie sind die wirtschaftliche Basis unserer Zukunft und Unabhängigkeit von Staaten, die Uran exportierten.

Verantwortung übernehmen – gemeinsam

Die Kosten für das Endlager trägt der Staat, mit-finanziert aus dem KENFO-Fonds, in den die AKW-Betreiber rund 24,1 Milliarden Euro eingezahlt haben. Dass dieser Fond nicht reicht, ist jedoch absehbar und bedeutet, dass der Staat und damit die Steuerzahler ebenfalls zahlen müssen. Der Bau eines Endlagers wird etwa 15 bis 20 Jahre dauern und bis zu 500 Meter in die Tiefe gehen.

Auch Klagen gehören zum Prozess – ausdrücklich. „Das ist Teil unseres Rechtsstaats“, betonte Ebner. Ziel sei ein Verfahren, das ernsthaft beteiligt und niemandem das Gefühl gibt, politischer Willkür ausgesetzt worden zu sein anstatt wissenschaftlichen objektiven Kriterien für den optimalen Standort.

Für uns Grüne bleibt dabei die Haltung klar: Wir sind gegen Atomenergie. Aber wir stehen auch zu den Konsequenzen vergangener Entscheidungen und übernehmen Verantwortung für eine sichere, transparente und faire Lösung des Atommüllproblems.

Kategorie

Klima und Umwelt | Landes- und Bundespolitik

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